Weltmusik

Das Unterrichtsfach Weltmusik an der Musikschule Simmering vermittelt jene Musiktraditionen, die ursprünglich vorwiegend mündlich, d.h. größtenteils ohne Noten weitergeben wurden und ohne klassischen Lehrbetrieb abseits einer kommerziellen Nutzung und eines Konzertwesens existierten, jedoch einen großen Teil des alltäglichen Lebens begleiteten: Tanz, Arbeit, Prozessionen oder häufig einfach kreativer Zeitvertreib. Viele dieser Traditionen scheinen heute verschwunden zu sein, manche wurden politisch vereinnahmt, häufig sogar neu erfunden – vor allem im nationalistischen Geiste des 19. Jahrhunderts, auch sind viele nahezu unbekannt und müssen neu entdeckt werden. Was Volksmusik heute sein kann, zeigen uns neue Strömungen und Revivals weltweit, die keinen Kontakt mit anderen Regionen und anderen Genres wie Jazz, Rock, Pop oder Klassik scheuen und trotzdem eigenständig sind, ja sogar neue progressive Stile entwickeln und geradezu boomen – man denke nur an „Balkan Brass“, „Bordunfolk“ (auf Dudelsack basierende neue Tanzmusik), modernen Klezmer usw. Auch zeigt ein Blick auf unsere Volksmusik in Mitteleuropa vor 1800, wie ungemein vielseitig, kunstvoll, wandelbar und europaweit verbindend sie einst war. Heute ist sie wieder auf dem besten Wege, dies zu werden!

Das Ziel der Ausbildung ist es, ein umfassendes musikantisches Wissen und Können auf einem Hauptinstrument und einem oder mehreren Nebeninstrumenten zu erlangen: Ein wichtiger Punkt ist das Musizieren nach Gehör, um ein Gespür für rhythmische und melodische Feinheiten zu entwickeln, die sich nicht mit Notenschrift ausdrücken lassen. Das Lesen von Noten wird zusätzlich vermittelt, diese sollen jedoch nur als Gedächtnisstütze dienen.

Folgende Bereiche innerhalb des Faches Weltmusik werden angeboten.

  • Dudelsack: Das Bindeglied in der Volksmusik par excellence! Ein Instrument, das in fast jedem Land Europas sowie im ganzen Mittelmehrraum bis nach Zentralasien mit eigenständige Traditionen verbreitet ist und vielerorts ein Revival erfährt, auch in Österreich. Gelehrt werden können mitteleuropäische Dudelsäcke wie die sogenannte „Sackpfeife“ (Schäferpfeife/ Cornemuse du Centre) und verwandte Arten (spanische Gaita u.a.), außerdem Bock (Dudy, Gajdy), Hümmelchen, schwedische Säckpipa und die neu für historische Märkte entwickelte „Marksackpfeife“.
  • Volksklarinette: Klarinetten spielen z.B. eine wichtige Rolle im Klezmer, am Balkan, in der bretonischen, zentralfranzösischen und in der alpinen Musik.
  • Maultrommel: Dieses weltweit verbreitete Instrument hat in Österreich ein große Bedeutung (seit 2012 Unesco Weltkulturerbe in Österreich) und bietet eine ungeahnte Vielfalt an Klängen und Möglichkeiten.
  • Volksschalmeien und -flöten: Eine Vielzahl an Blasinstrumenten können nebenbei erlernt werden wie z.B. Bombarde, Whistle, Obertonflöten (Tilinkó), Schwegel (Querpfeife) u.a.
  • Jodeln: Diese weltweit verbreitete Gesangtechnik ist gar nicht so schwer zu erlernen und kann abseits jedes Klischees sehr vielfältig verwendet werden.
  • Instrumentenbau mit Naturmaterialien (Holunder, Schilf, Horn): Manche Volksmusikinstrumente werden von den Musikern mit einfachsten Mitteln selbst gebaut. Der Umgang mit Naturmaterialien wird hier angeboten, um ein tieferes Verständnis von Material und Klang zu bekommen.
  • Saxophon: Ein eher junges Instrumenten, mittlerweile jedoch längst in der Welt des Folk angekommen.
  •  Querflöte & Irish Flute: Vor allem im keltischen Raum sehr wichtig, Musik aus Irland, Schottland, der Bretagne, aber auch z.B. in Polen sehr üblich.
  • Tin Whistle: ein Klassiker in Irland, aber auch Nordspanien und Schottland.
  •  Bassklarinette: nicht ganz so traditionell, doch v. a. für Menschen, die schon Klarinette spielen eine super Ergänzung und hervorragend als Bassinstrument in diversen Volksmusikrichtungen geeignet.
Albin Paulus
Albin PaulusWeltmusik auf Dudelsack, Maultrommel, Klezmer-Klarinette

In einer österreichischen Exilfamilie in Deutschland geboren, seit früher Kindheit überzeugter Multiinstrumentalist (Dudelsack, Klarinette, Maultrommel, Jodeln…). Studium der Musikwissenschaft in Wien und Cremona, weltweite Auftritte in den Sparten Folk/ Volksmusik, Alte Musik (Barock und Frühklassik) und Musik zwischen den Genres – von Pop über Klassik bis zur Ambient Music. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter „Weltvirtuose der Maultrommel“ (2011 Jakutsk/ Sibirien), „Maître Sonneur“ (Dudelsack, 2. Preis 1998/ 2005 in St. Chartier/ Frankreich) sowie Preis der Deutschen Schallplattenkritik für das Album „Jodulator“ mit der Gruppe „Hotel Palindrone“ . Zu seinen zahlreichen Projekten zählt auch das Ensemble „Schikaneders Jugend“ – Popmusik des 18. Jahrhunderts, und „Cantlon“ – prähistorische Musik auf selbstgebauten Instrumentenrekonstruktionen.

www.albinpaulus.folx.org

 

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Daniel Moser

Weltmusik auf Saxophon, Querflöte, Irish Flute, Tin Whistle, Bassklarinette

daniel.mooser@gmail.com

Aus dem Südtiroler Pustertal kommend, lebt Daniel bereits seit mehr als 10 Jahren in Wien. Masterabschluss IGP Jazzsaxophon an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Schwerpunkt Ethnomusikologie. Intensive Auseinandersetzung auch mit den Instrumenten Bassklarinette und Flöte (Querflöte, Irish Flute, Tin Whistle). Regelmäßige, internationale Konzerttätigkeit mit verschiedensten Bands.

Daniel beschäftigt sich seit seiner Jugend mit europäischer Volksmusiktradition. Später entwickelte sich zunehmend auch ein Interesse an improvisierter und experimenteller Musik. Sein derzeitiges musikalisches Schaffen liegt in einem sehr offenen Bereich zwischen alter Volksmusik, modernem Jazz und zeitgenössischer Improvisationsmusik. Aktuelle Projekte: Woody Black 4 (Preisträger des European Jazz Contest 2014), Landor (moderne europäische Volksmusik), Tanzhausgeiger (Alpines, Csárdás und mehr), Sketchbook Quartet (Rock/Jazz), Invisible Insights (Klangimprovisation und -installation im Dunkeln) kribiskrabis Kulturfestival (künstlerischer Leiter).

www.woodyblack4.com

www.landormusic.com

www.sketchbookquartett.com

www.tanzhausgeiger.tradmus.org/

www.kribiskrabis.org